
Ein Beitrag von Hinrich Spielmann
Streckensegelflug – was ist das?
Nun, zunächst einmal muss an dieser Stelle darauf hingewiesen werden, dass sich hinter dem Streckensegelflug nichts weiter verbirgt, als dass man mit Segelflugzeug weitere Strecken fliegt als nur wie in der Ausbildung zum Segelflugzeugführer der 50km-Überlandflug alleine oder 100km mit Lehrer im Doppelsitzer zum Lizenzerwerb. Dies ist jedoch in keiner Weise Vergleichbar mit dem Streckenflug mit motorgetriebenen Flugzeugen. Der Streckensegelflieger ist immer darauf angewiesen, je nach der Gleitzahl seines Segelflugzeuges, in bestimmten Abständen thermische Aufwinde zu finden, um wieder Höhe zu gewinnen, damit er weiterfliegen kann. Auf diese Weise kann der Segelflieger dann Strecken von ca. 300 bis 400km vom Flugplatz Grube aus zurücklegen, OHNE ein einziges Mal zwischenzulanden.
Aber der Reiz des Streckensegelfluges vom Flugplatz Grube zeichnet sich im Wesentlichen nicht durch lange Strecken aus, wie es von südlicheren Plätzen wie Lübeck oder so möglich ist. Also WARUM dann von Grube aus Streckenfliegen? Der Reiz liegt vielmehr in unsere einzigartigen Lage und zugleich atemberaubenden Kombination aus der Landschaft der Ostholsteinischen Schweiz und der Ostsee. Unsere Streckenflüge gehen zu 90% in Süden. Dabei sehen wir die Ostsee auf der einen Seite liegen und auf der anderen Seite die Holsteinische Seenplatte.
Der Streckenflug in Grube beginnt in der Regel mit einem F-Schlepp in Richtung der Ortschaft Damlos, die ca. 7km westlich des Platzes liegt. Dort finden wir dann die erste nutzbare Thermik, die uns aus ca. 700m nach dem F-Schlepp bis auf Basishöhe trägt. Dann gleiten wir in Richtung Flugplatz Sierksdorf. Das ist zugleich der schwierigste Teil des gesamten Überlandflugs, da die thermischen Aufwinde auf dieser Strecke von ca. 20km meist sehr schwach und schwierig zu finden sind. Wenn wir Sierksdorf erreicht haben, geht es jetzt ziemlich gut weiter. 
Ab hier stehen die Aufwinde enger beisammen und wir kommen meist zügig voran. Kurz vor Lübeck lassen wir die Holsteinische Schweiz und die Ostsee hinter uns. Ab hier stehen uns viele Möglichkeiten der Streckenführung offen. Die meisten Flüge gehen dann an Lübeck, Ratzeburg und Mölln vorbei zum Segelfluggelände Grambeker Heide. Dieses liegt auf dem thermisch günstigen Geestrücken Schleswig-Holsteins, in mitten der Lauenburgischen Seenplatte. Dieses ist meist ein Wendepunkt bei den im Streckensegelflug üblichen Dreiecksflügen. Dreiecksflüge sind üblich, da Streckensegelflüge meist auf ein und dem selben Flugplatz beginnen und enden. Von der Grambeker Heide aus geht es dann an Lübeck und Bad Segeberger vorbei über den Geestrücken meist nach Neumünster, dem zweiten Wendepunkt, und von dort aus über Ascheberg, Plön und Eutin Entlang der Holsteinischen Seenplatte hinweg nach Grube zurück. Dann sind ungefähr 4 bis 5 Stunden und ca. 250 Kilometer geflogen. Aber wir fliegen nicht nur diese Stracke. Einige von uns sind auch schon von Grube aus einmal um Hamburg herumgeflogen oder haben ihre Strecke Richtung Osten ausgerichtet und sind nach Schwerin und Wismar geflogen.
Dabei haben sie mehr als 300km und über 6h geflogen.
Aber nicht nur der Weg ist das Ziel, sondern das gemeinsame
Streckenfliegen mit anderen Segelfliegern aus unserem Verein oder aus Schleswig-Holstein, die man unterwegs trifft.

Bei den Flügen entstehen die schönsten Bilder und der gemeinsame Streckenflug ist wesentlich einfacher und erfolgreicher von Grube aus, als wenn man nur alleine fliegt. Jedoch das Schönste ist, wenn man nach dem Überlandflug wieder in Grube landet. Sollte dies aber nicht klappen, landen wir ggf. auf einem Anderen Flugplatz und lassen uns von dort aus von einem unserer Motorsegler nach Hause Schleppen. Und wenn eine Landung auf einem Flugplatz nicht möglicht ist, dann landen wir Segelflieger halt einfach auf einem Acker oder einer Wiese – dies nennt sich dann nicht eine NOT-Landung sondern eine Sicherheitslandung.

Dies ist keineswegs eine Ausnahmeerscheinung bei Streckenflügen, sondern eine durchaus alltägliche Sache, die in der Ausbildung zum Segelflieger trainiert wird. Wenn man so will, ist ein Flugplatz mit Grasbahn auch eine Wiese, nur eine auf der man vorher schon min 200mal gelandet ist.
Ein Segelflugzeug ist technisch so konstruiert, das es eine Außenlandung bis auf kleinere Lackschäden unversehrt übersteht. Der Abtransport des Segelflugzeuges gestaltet sich nicht weiter problematisch – ein Segelflugzeug lässt sich Platz sparend in einem speziellen Segelfluganhänger transportieren. Und für die Rückholmannschaft ist es auch eine spannende Sache, weil sie nicht weiß wie der Acker oder die Wiese aussieht, wo der Pilot außengelandet ist. Außerdem ist es dann so üblich, dass der Pilot die Rückholmannschaft zum Essen einlädt, was dann meistens wegen der Jugendlichen mit einem Besuch bei McDonalds® endet. Dies ist wiederum auch sehr spaßig, weil das Wenden mit einem 9m langen Anhänger nicht einfach auf den engen Parkplätzen ist.

